Wie Kinder schenken – einige Gedanken zu Sankt Martin

Der November hält nun bald Einzug – und es beginnt die wunderschöne, stimmungsvolle Laternenzeit, die unsere Kinder und uns zum Fest des Heiligen Martin führt. Das spontane, selbstverständliche Schenken, das die gute Tat des Heiligen Martin charakterisiert, findet sich auch im Gestus des kindlichen Schenkens wieder. Unsere Echtkind-Freundin Beate Schwarz-Fischer hat sich dazu ein paar Gedanken gemacht.


Illustration aus dem Buch „Laternenzeit“ von Michaela Kronshage

Wie Kinder schenken – einige Gedanken zu Sankt Martin

von Beate Schwarz-Fischer

Hast du schon einmal eine frischgefallene, noch glänzende Kastanie in die Hand gedrückt bekommen? Mit einem freudigen: “Da, die ist für dich!“

Und dann noch eine …und noch eine!

Wie wundervoll ist es, im Herbst mit den Kindern unterwegs zu sein – nein, natürlich nicht nur im Herbst. Aber da vielleicht besonders. Eicheln, Kastanien, bunte, wundervolle Blätter, Hagebutten …. und was nicht noch alles!

Mit welcher Freude wird hier gefunden, gesammelt –  und verschenkt. Als ob die reichen Gaben des Herbstes in ihrer Fülle aus sich heraus sagen wollen: „Da, für dich.“

Mit dem 21. September, dem kalendarischen Herbstanfang, haben wir eine kleine Zeit, in der sich Tag und Nacht die Waage halten – dann übernehmen Dämmerung und Dunkelheit mehr und mehr die Führung am herbstlichen Himmel. Die Tage werden merklich kürzer – die Nächte länger.

Genau in dieser Zeit liegt im Jahreslauf das Fest, das dem Heiligen Martin gewidmet ist, die Laternen der Kinder entzündet werden und diese damit singend durch die Straßen ziehen.

Die meisten von euch kennen zumindest den Kern der Legende um „Ritter Martin“, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte. Seinem Vater gehorchend diente Martin von Tours viele Jahre als Offiziersschüler unter Kaiser Konstantin. Sein Sinn stand jedoch anders und nach vielen Jahren wurde er auf seinem Weg vom Kriegsdienst entlassen, bis er schließlich im Jahre 350 vom Volk zum Bischof in seiner Vaterstadt gewählt wurde und dort die Priesterweihe erhielt.

Viele Geschehnisse und Geschichten ranken sich um den Mann, Kirchen wurden nach ihm benannt, und noch heute feiern wir am 11. November, dem St. Martinstag, das Laternenfest. Viele Darstellung in der Kunst sind der Szene gewidmet, in der St. Martin – hoch zu Ross, einem Bettler begegnet, im Vorüberreiten seinen Mantel mit dem Schwerte teilt und einen Teil seines Mantels dem frierenden Bettler reicht. Ganz still zieht er weiter, selbstverständlich und vollkommen unspektakulär.

Denken wir jetzt noch einmal an die oben beschriebene Freude der Kinder beim Finden und Schenken. Kleine – und auch große Kinder finden – und schenken ganz leicht, ganz frei, ganz von sich aus – wenn man sie denn lässt! Und darin liegt wohl der große Schatz des Schenkens: in der überbordenden Freude, die einfach Teil – haben lassen will: „Da, du sollst dich auch freuen“.

Lassen wir uns in der kommenden Zeit – in der ja viel und oftmals sehr angestrengt vom Schenken die Rede sein wird – von der Leichtigkeit inspirieren, der Selbstverständlichkeit und der kindlichen Freude.

Wenn`s Sonnenlicht verschwindet, wird’s Lichtlein angezündet. Mein Licht durchstrahlt die dunkle Nacht, Laternchen leucht` und halte Wacht“

Das weniger werdende Sonnenlicht lädt ein, das kleine Kerzenlicht geschützt durch die Nacht zu tragen, nach innen in die warme Stube zu bringen, als Bote in die Jahreszeit hinein, in der wir viel Licht und Wärme um uns und in uns tragen wollen.

Dieser Beitrag wurde unter Echtkind-Freunde, Gut Gemischtes, Wissen abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.