Aktueller Holzspielzeug-Test / Ein Kommentar

Ich möchte mit meinem heutigen Blog-Thema Bezug auf die Testveröffentlichung zum Thema „Holzspielzeug für unter Dreijährige“ von Stiftung Warentest nehmen: Stiftung Warentest hat für seine Dezember-Ausgabe eine Laboruntersuchung von 30 Holzspielzeugen für Kinder unter drei Jahren durchführen lassen und hat leider alarmierende Ergebnisse zutage gefördert.

Mehr als jedes zweite untersuchte Holzspielzeug ist schadstoffbelastet und gehört nicht in die Hände von  Kindern und Babys. Daher möchte ich an dieser Stelle ein kurzes Resümee zum Test ziehen und mich dann nach und nach den einzelnen Faktoren nähern, die Euch bei der Auswahl von gutem Spielzeug für Eure Kinder, Enkelkinder, Nichten, Neffen, Paten- und Freundeskinder helfen sollen.

HolzbausteinePures Holzspielzeug – Bauklötze von Grimm’s

Schadstoffe in den Lacken

Die Schadstoffe sind zumeist in den verwendeten Lacken zu finden. Kritische Farbmittel, Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK (siehe auch: PAK-Grenzwerte in Kinderspielzeug ), Nonylphenolethoxylate (NPEO), Organozinnverbindungen oder Schwermetalle, um nur einige Schadstoffe zu nennen, die bei den Laboruntersuchungen in den getesteten Spielzeugen gefunden wurden. Viele dieser Stoffe sind krebserregend, beeinflussen die kindliche Entwicklung und die Fortpflanzungsfähigkeit. Zwar sind viele Schadstoffgrenzen in der Europäischen Richtlinie für Kinderspielzeug geregelt, die Grenzwerte sind aber vielfach unzureichend (siehe auch: Die neue EU-Richtlinie – Schadstoffe und Kinderspielzeug). Die im Juli neu in Kraft getretene, europäische Spielzeugrichtlinie hat zudem für fünf Schwermetalle die Grenzen gelockert. Deutschland hat gegen diese Lockerung geklagt und darf einstweilen die strengeren Richtlinien für Antimon, Arsen, Quecksilber, Barium und Blei beibehalten. Fragt sich, für wie lange.

Immer wieder stellt sich uns die Frage, wie man als gefährlich und giftig erkannte Schadstoffe weiterhin in Kinderspielzeug dulden kann – es sollte nicht um Grenzwerte gehen, sondern darum, gar keine Schadstoffe in Kinderspielzeug zuzulassen.

Holzgreifling

Kleine Kinder und Babys unter drei Jahren nehmen die kritischen Inhaltsstoffe durch den intensiven Hautkontakt und durch das Entdecken Ihrer Spielzeuge mit dem Mund sowie intensives Bekauen in ihren Organismus auf. Die meisten der ermittelten Schadstoffe in Kinderspielzeug entfalten ihre Wirkung aber erst nach vielen Jahren. Leider kann man schadstoffbelastetes Holzspielzeug nur selten „erkennen“ bzw. die Schadstoffe riechen. Daher ist es nicht ganz so einfach, wirklich gutes Spielzeug zu finden.

Was tun, fragt man sich nach dem Erscheinen jedes neuen Tests und jeder neuen Dokumentation über das Thema. Zunächst einmal ist es uns darum gegangen, Risiken auszuschließen und uns über diese Ausschlusskriterien dem wirklich guten Holzspielzeug zu nähern.

Spielzeug „Made in Germany“

Wie Stiftung Warentest wieder einmal belegt, gibt es auch schwarze Schafe unter den in Deutschland hergestellten Spielzeugen. Diese sind aber sehr viel seltener anzutreffen als etwa schadstoffbelastetes Spielzeug vor allem aus China. Daher ist es ratsam, bei der Auswahl von Holzspielzeug Produkten aus Deutschland bzw. Europa den Vorzug geben.

Spielzeug-Siegel beachten

Es gibt eine Reihe von Siegeln und Zertifizierungen für gutes, sicheres und schadstoffgeprüftes Spielzeug. Nicht nur Testergebnisse von Stiftung Warentest und Ökotest sind gute Anhaltspunkte für den Spielzeugkauf, sondern vor allem auch das renommierte „spiel gut“ Siegel und die Kennzeichnungen vom TÜV. Eine kurze Zusammenfassung und Übersicht findet Ihr hier: www.echtkind.de/siegel-zertifizierungen

Europäische Rückrufliste: RAPEX

„RAPEX“ ist das Schnellwarnsystem der Europäischen Kommission für Produktrückrufe gefährlicher Produkte – im Baby- und Kinderbereich betrifft dies alle Produktekategorien. Vom Babystuhl über den Krabbelschuh bis hin zum Spielzeug. Sehr ans Herz legen kann ich Euch die Seite vom Cleankids-Magazin (http://www.cleankids.de/), wo täglich über aktuelle Produktrückrufe auf der RAPEX-Liste informiert wird.

Unbedenkliche Holzfarben statt Lack

Es gibt „gute“ Lacke, die unbedenklich sind und keine Schadstoffe beinhalten. Ein weiteres Risiko kann man aber auch dadurch ausschalten, dass man komplett auf lackiertes Holzspielzeug verzichtet. Farbige Holzspielzeuge gibt es auch in unbedenklichen Alternativen: zum Beispiel gebeizt oder lasiert. Anders als der Lack, der sich komplett über das Holz legt, dringen Lasuren und Beizen in das Holz ein und lassen die Maserung durchscheinen. Gute, unbedenkliche Lasuren und Beizen haften nicht in der gleichen Weise am Holz wie Lack das tut. Das heißt, sie verändern nicht die leicht raue Oberfläche des Holzes, sondern färben es nur ein. Zudem wird man die Erfahrung machen, dass Lasuren und Beizen bei einem neuen Spielzeug anfangs durchaus ein wenig abfärben können und mit der Zeit an Leuchtkraft verlieren – wer bereit ist, solche kleinen „Nachteile“ gegenüber einer lackierten Schicht den Vorzug zu geben, hat hier eine wirklich gute, farbige Alternative gefunden.

NICEin Novum bietet z.B. die Firma Nic mit ihrer Kampagne „Spielzeuge im Einklang mit der Natur“. Der Traditionshersteller für Holzspielwaren von der Schwäbischen Alb hat einige seiner Baby- und Kleinkind-Spielzeugklassiker in einer neuen Bio-Version vorgestellt: die Holzspielzeuge sind nur mit Naturölen (Leinöl und Ricinenöl) und Pflanzen- sowie Naturfarben auf Naturölbasis behandelt. So kommen etwa Pigmente aus der Zitronenschale im Gelbton zum Einsatz. Die Holzspielzeuge sind komplett unlackiert. Die Bio-Farben sind aufgrund ihres rein natürlichen Ursprungs sehr zart und lassen die Maserung des Holzes durchscheinen.

Komplett ursprüngliches, naturbelassenes Holzspielzeug

Wer auf Nummer sicher gehen will, dass die Spielzeuge in den Händen unserer Kinder absolut schadstofffrei und pur sind, der sollte sich an unbehandeltes bzw. nur mit Ölen wie etwa Leinöl behandeltes Holzspielzeug halten. Argumente wie „damit spielt mein Kind nicht, weil es nicht bunt genug ist“ sollte man gleich beiseitelassen. Unsere Kinder werden – lässt man ihnen die Wahl – wohl immer zu den grell bunten, möglichst sogar blinkenden oder gar Geräusche von sich gebenden Spielzeugen greifen – und sich damit ein paar Minuten beschäftigen bevor es langweilig wird. Das kann nicht die Argumentation sein. Wichtig ist doch, an was für Spielzeuge wir unsere Kinder gewöhnen, wie wir ihr kreatives Spiel auch mit ganz einfachen, ursprünglichen Spielsachen aus Naturmaterialien fördern und ihrer Fantasie Raum geben, sich alles vorzustellen. Aber das führt mich jetzt in ein anderes, pädagogisches Themenfeld dem ich einen anderen Blog-Artikel widmen werde.

Klassische Holzspielzeuge für Babys und Kleinkinder wie Fahrzeuge, Stapeltürme, Baby-Greiflinge und Rasseln, Bausteine und vieles mehr gibt es in ganz und gar naturbelassener Form, die in aller Ruhe bekaut, beknabbert und mit allen Sinnen entdeckt werden können. Ohne dass wir uns Sorgen um die Gesundheit unserer Kinder machen müssen.

Ein Plädoyer für Holzspielzeug

Abschließend will ich trotz der schlechten, ja erschreckenden Testergebnisse von Stiftung Warentest  eine Lanze für das Holzspielzeug brechen.  Wir alle bei Echtkind lieben gutes Holzspielzeug und sind von Grund auf überzeugt, dass Holzspielzeug sehr viele gute Eigenschaften verbindet. Allein der Geruch, der wunderbare Werkstoff und seine Haptik sind einfach einzigartig.

HolzlastwagenHolzlaster von Lotes Toys im Echtkind-Shop

Vor allem ist Holzspielzeug aber eines: es ist nachhaltig. Man kann gutes Holzspielzeug mit ein wenig Leim und einer Zwinge spielend leicht wieder reparieren und muss es nicht gleich wegwerfen, nur weil einmal etwas abgebrochen ist. Und wenn Holzspielzeug wirklich einmal kaputt ist, ist die Entsorgung sehr unproblematisch, was bei den Spielsachen aus Plastik und PVC bei Weitem nicht so ist.

Liebe Grüße und bis bald, Eure Christina

–> Pures unbehandeltes Holzspielzeug bei Echtkind

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5 Antworten zu Aktueller Holzspielzeug-Test / Ein Kommentar

  1. Christiane schreibt:

    Wo bekommt man denn den „Schlüsselbund“ auf dem Bild im Artikel? Der ist klasse!

  2. Kerstin schreibt:

    Vielen Dank für den sehr informativen und übersichtlichen Artikel.

    Ich arbeite in einem Kindergarten in Stuttgart und kann immer wieder beobachten, wie viel Spaß die Kleinen beim Spielen mit Holzspielzeugen haben. Dabei nehmen die Kinder die Spielzeuge oft auch in den Mund. Dies sollte für die Kleinen keine Gefahr darstellen, daher sollten gerade Spielzeuge für Kinder unter 3 Jahren keine Schadstoffe enthalten. Ich denke, dass die Hersteller sich selbst dies als Ziel setzen sollten und die Eltern (Kunden) über die hohe Qualität ihrer Spielzeuge informieren sollten.

    Viele Grüße,
    Kerstin

  3. Marco schreibt:

    Wirklich schöne Übersicht. Leider scheint das Thema zeitlos zu sein und ist auch heute noch aktuell. Schadstoffe in Spielzeugen sind natürlich durch Kauen, Lutschen und in Mund Nehmen besonders relevant, da die Kontaktzeiten relativ groß sind und direkter Kontakt zu den Schleimhäuten besteht.
    Neben Spielzeug sind aber auch Kindermöbel, Teppiche und andere Bodenbeläge oft ein Problem. Von Weichmachern bis PAKs lässt sich auch hier das ganze Spektrum an Schadstoffen finden.
    Also Augen auf bei allen Dingen die ins Kinderzimmer gelangen.

    Weiter so! Super Beträge!

    LG
    Marco

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