Sankt Martin

Am 11. November feiern wir alljährlich das Martinsfest oder auch Martinifest genannt. Es ist eines der Feste im Jahr, die ich seit meiner Kindheit am meisten liebe und das meiner Familie und mir sehr viel Freude bereitet. Jedes Jahr räumen wir Sankt Martin viel Zeit und Vorbereitung ein und genießen das Fest und die dazugehörigen Familiengepflogenheiten wie selbstgebackene Weckmänner, warmer Glühwein und Früchtepunsch, Laternenumzug, Martinslieder und natürlich die Erzählung der Martinslegende.

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Der Herbst – die Jahreszeit der Ritter

Nach dem Michaelifest zu Beginn des Herbstes am 29. September ist Sankt Martin das zweite Fest im Herbst – der „Jahreszeit der Ritter“. Zusammen mit Sankt Nikolaus am 6. Dezember können diese Feste mit ihren individuellen Hintergründen und Traditionen die Kinder auf das Weihnachtsfest vorbereiten und hinführen.

Die Geschichte von Sankt Martin ist allseits sehr bekannt. Der Ritter, der an einem unwirtlichen, kalten Abend im November auf den notleidenden, frierenden Bettler trifft und diesem ohne Zögern die Hälfte seines warmen Mantels gibt, ist ein sehr starkes Bild für menschliche Güte und Mitgefühl. Ich kann mich an die Faszination und die lebendigen, starken Bilder erinnern, die die Geschichte des heiligen Martin als Kind in mir hervorrief – und es noch heute tut.

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Sankt Martin in meiner Kindheit

Da ich am Niederrhein groß wurde, wo das Martinsfest seit jeher einen hohen Stellenwert besaß und mit großen Laternenumzügen, Martinsliedern und vielen lokalen Gepflogenheiten gefeiert wurde, habe ich schon früh die Faszination des Laternenfestes kennengelernt. Meine Schule veranstaltete wie viele andere Schulen und Kindergärten jedes Jahr einen großen Laternenumzug. Mein Klassenlehrer ritt als Ritter verkleidet auf einem Schimmel voran und verlebendigte uns Kindern die Martinsgeschichte in seiner Begegnung mit dem Bettler.

Bereits Wochen vor dem Martinsfest wurde die Produktion schöner, individueller und aufwändiger Laternen im Kunstunterricht angekurbelt. Die Stadt meiner Kindheit lobte Laternenwettbewerbe aus und meine Schwester wurde damals sogar prämiert mit einer sehr schönen Kreation aus schwarzem Fotokarton und durchscheinendem, bunten Transparentpapier.

Martinsküchlein

Meine Eltern und die Nachbarsfamilien schmückten an diesem besonderen Abend die Häuser stimmungsvoll mit den Laternen der vergangenen Jahre (sofern diese alle Strapazen und Witterungen des Martinsumzuges überstanden hatten). In den Küchen wurden abends frische  „Martinsküchlein“ gebacken – kleine Hefepfannkuchen, die nicht nur wunderbar dufteten, sondern auch süß und warm eine wahre Köstlichkeit waren. Es war Tradition für uns Kinder, die frischen Küchlein zu stibitzen. Wir schlichen durch die Haustüren bis hin in die Küchen, wo wir schnell unser feines Diebesgut vom Teller und die Beine in die Hand nahmen – gefolgt von Müttern und Vätern, die uns zuliebe sehr entrüstet die kleinen Küchlein-Diebe verfolgten. Draußen auf der Straße und in Sicherheit verteilten wir Kinder dann die Beute und aßen an Ort und Stelle die leckeren Küchlein. Manchmal allerdings wurden wir geschmacklich überrumpelt. Stelle man sich vor, dass manch eine Mutter doch tatsächlich artfremde Zutaten beigemischt hatte. Ein Stück Banane im Küchlein überraschte uns nur, schmälerte aber nicht den Genuss. Die Variante mit einer dünnen Schicht Senf auf der Küchlein-Unterseite, einer Olive statt der erwarteten Rosine oder gar einem Hauch Chili allerdings hat uns ganz kalt erwischt. Ein herrlicher Kinder-Spaß – hoffentlich werde ich diese Tradition wieder einführen können, wenn unser Sohn alt genug ist.

Wir möchten Euch allen – den großen und den kleinen Rittern – ein wunderschönes Martinsfest wünschen. Und für alle, die es interessiert, habe ich hier das Rezept für die Martinsküchein aus meiner Kindheit – stibitzt aus dem Kochbuch meiner Mutter.

Lieben Gruß, Eure Christina.

Martinsküchlein – REZEPT

1 Würfel frisch Hefe
2 TL warme Milch
500 g Weizenmehl
1 Ei
1/2 l  Milch
1 EL Zucker (gerne auch mehr Zucker, wer die Küchlein gerne schön süß isst)
1 Prise Salz
200 g Rosinen (können auch weggelassen werden)
Öl zum Ausbacken, z.B. geschmacksneutrales Sonnenblumenöl

Etwas Mehl, die zerbröckelte Hefe, 1 TL Zucker und 2 TL warme Milch in einer Schüssel miteinander vermischen. Diesen Vorteig mit einem Tuch abdecken und ca. 15 Minuten an einem warmen Ort gehen lassen. Als nächstes die übrigen Zutaten hinzufügen, und rühren, bis der Teig dickflüssig wird.

Den Teig wieder mit einem Tuch abdecken und an einem warmen Ort für eine bis anderthalb Stunden gehen lassen. Danach sollte er sein Volumen etwa verdoppelt haben.

In einer Pfanne das Öl erhitzen und die Martinsküchlein nach und nach etwa 1/2 cm dick ausbacken. Die ausgebackenen Martinsküchlein auf Küchenpapier kurz abtropfen lassen, da sie viel Öl aufnehmen.

Vielerorts wird zu den Küchlein Apfelmus gereicht, was ich nur empfehlen kann.

Update 03.11.2015

Seit diesem Jahr führen wir wundervolle Holzfiguren von Ostheimer zum St.-Martins-Fest bei Echtkind. → zur Kategorie

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