Wunderbare Schurwolle (Teil 2) – von Menschen und Schafen

Wie versprochen möchte ich im zweiten Teil (>>Teil 1) des Beitrags über die Schafschurwolle, die für die Herstellung hochwertiger und funktionaler Babytextilien verwendet wird, darüber informieren, warum es so wichtig ist, auf zertifizierte und ökologische Produkte zu achten. Auch hier werde ich mich stark an den ökologischen Babytextilien der Firma Disana (>> im Shop) orientieren, die für uns in diesem Bereich einfach Öko-Pioniere und vorbildliche Hersteller sind.

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grüne Babydecke aus Bio-Schurwolle von Disana

Schurwolle

Nach dem Textilkennzeichnungsgesetz ist Schurwolle das Haar, das  vom lebenden Tier gewonnen und erstmalig verarbeitet wird. „Reine Wolle“ kann auch recycelte Reißwolle enthalten. Reißwolle ist ein wiederverwendetes, also aus Alttextilien gewonnenes Produkt, dessen Verwendung bei der Kennzeichnung „Schurwolle“ gesetzlich verboten ist. Australien ist der größte Exporteur von Schafschurwolle. Daneben finden sich vor allem Neuseeland und Argentinien als große Wollländer. Die Wolle für die Disana Strickprodukte stammt zum Beispiel zum Großteil aus Argentinien.

Wolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT)

Ein wichtiger gesundheitlicher Aspekt für den Kauf von Produkten aus zertifizierter Bio-Schurwolle ist mit dem Einsatz von Pestiziden verbunden. Die Zertifizierung „kbT“ („kontrolliert biologische Tierhaltung“) untersagt den Einsatz von Pestiziden konsequent – und zwar am Schaf sowie an den Weideplätzen. Die Tiere werden durch die unterlassene Behandlung mit Pestiziden auf natürliche Art widerstandsfähiger gegen Parasitenbefall, so dass eine chemische Schädlingsbekämpfung auch gar nicht vonnöten ist.

Auch für das Wohl der Schafe ist ein Kauf von „kbT“-Wollprodukten sinnvoll, da die Zertifizierung nur vergeben wird, wenn die Tiere artgerecht und respektvoll gehalten werden. Das heißt, die Schafe leben in einer auf ihre Bedürfnisse angepassten Umgebung. Des Weiteren sind drastische und tierquälerische Eingriffe wie das Kupieren des Schwanzes oder das sogenannte Mulesing strikt verboten. Die Zertifizierung der landwirtschaftlichen Betriebe erfolgt jährlich und wird von unabhängigen Prüflaboren durchgeführt.

Will man über die biologische und artgerechte Tierhaltung hinaus sicherstellen, dass die Wolle für das eingekaufte Produkt auch weitere Qualitätsstandards über die gesamte Lieferkette hinweg erfüllt, so sollte man auf Zertifizierungen wie „GOTS“ oder „IVN  Best“ achten.

Globale Textilstandards: GOTS und IVN Best

Der Global Organic Textile Standard (GOTS) wurde im Jahr 2008 gemeinsam von vier großen, internationalen Verbänden der Naturtextilwirtschaft begründet und ist einer der weitreichendsten und wichtigsten, weltweiten Zertifizierungen für Naturfasern.

Bei der Vergabe des Zertifikats spielen nicht nur die Qualitätskriterien der Fasern und Garne eine Rolle, sondern auch ökologische und soziale Gesichtspunkte entlang der gesamten Lieferkette. Ziel des Siegels ist die Festlegung und Umsetzung von weltweit gültigen Anforderungen bezüglich des Anbaus, der Weiterverarbeitung, des Transports und des Handels mit Biofasern. GOTS besiegelte Textilen enthalten ein Minimum von 70% Fasern von Pflanzen oder Tieren aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft („kbA“ = kontrolliert biologischer Anbau, kbT = kontrolliert biologische Tierhaltung).

Entlang der gesamten Lieferkette ist gewährleistet, dass die Naturfasern nicht mit herkömmlichen Fasern in Berührung kommen. Bei der Weiterverarbeitung der Fasern sind nur Verarbeitungsmethoden und Färbemittel erlaubt, die den GOTS Standards genügen und unbedenklich sind. So wird zum Beispiel nur in Ausnahmefällen – und wenn dann mit Sauerstoff – gebleicht, Wolle darf nicht chloriert werden, zum Färben und Bedrucken dürfen nur gesundheitlich und ökologisch unbedenkliche Substanzen verwendet werden. Problematische Substanzen wie giftige Schwermetalle, Formaldehyd, aromatische Lösungsmittel, Chlorphenole, oder bestimmte Halogenverbindungen sind im gesamten Produktionsprozess verboten. Aufdrucke und Verpackungen, die PVC enthalten, sind untersagt und die Verpackungskartonagen sowie alle Papierartikel (Label, etc.) müssen ab 2014 Siegel zur nachhaltigen Forstwirtschaft (FSC, PEFC) tragen.

Zudem gelten eine Reihe grundlegender sozialer Kriterien für die Arbeitskräfte in den anbauenden und verarbeitenden Betrieben wie etwa das Verbot von Kinderarbeit, Misshandlung, Zwangsarbeit und Diskriminierung sowie Qualitäts- und Sicherheitsstandards. Die Einhaltung der GOTS Richtlinien wird regelmäßig von unabhängigen Auditoren überprüft, Verstöße werden konsequent verfolgt.

Der IVN BEST Standard bildet zurzeit das höchste, anspruchsvollste Niveau bezüglich Textilökologie ab und übertrifft den GOTS Standard in einigen wesentlichen Punkten. Auch hier wird die gesamt Lieferkette vom landwirtschaftlichen Anbau bzw. der Tierhaltung über die Verarbeitung bis hin zum Einzelhandel begutachtet und geprüft. Der grundlegendste Unterschied zu GOTS besteht darin, dass die Fasern aus 100% biologischer Landwirtschaft stammen müssen. Es sind zudem noch weniger Farben und Hilfsmittel zur Veredelung und Verarbeitung der Stoffe als im GOTS Standard erlaubt. Der Standard ist vielfach für die Massenproduktion aufgrund seiner sehr strengen Regelungen nicht einzuhalten. Es gibt daher nur wenige Produkte, die bislang das IVN Best Siegel tragen.

Schurwollprodukte der Firma Disana, wie etwa die wunderbaren Babydecken und Babyschlafsäcke, tragen alle die GOTS Zertifizierung. Viele, wie etwa die naturbelassenen, ungefärbten Wollprodukte, sogar das IVN Best Zertifikat. Etwas Besseres wird man kaum für sein Baby finden können.

Lieben Gruß und bis bald, Christina.

>> Baby-Textilien von Disana im Echtkind-Shop
>> Teil 1 – Wunderbare Schurwolle

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Eine Antwort zu Wunderbare Schurwolle (Teil 2) – von Menschen und Schafen

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