PAK – Grenzwerte in Kinderspielzeug

Wusstet Ihr schon, dass sogenannte Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe – kurz PAK – in Autoreifen wegen der Luftverschmutzung beim Abrieb auf den Straßen auf 1 mg pro Kilogramm beschränkt sind? Bislang galten für Kinderspielzeug keine Grenzwerte für diese besorgniserregende Stoffgruppe. Erst die neue EU-Richtlinie, die am 20.07.2013 in Kraft tritt, regelt die Grenzwerte für Kinderspielzeug – auf 100 mg pro Kilogramm Spielzeug. Unglaublich aber die Wahrheit. Der hundertfache Wert, der für Autoreifen zulässig ist!

Viele der zur Gruppe der PAK gehörenden Stoffe sind hochgradig besorgniserregend für den Menschen – sie gelten als krebserregend, fortpflanzungsgefährdend und erbgutverändernd. Die Gruppe der PAK gehört zu den organisch-chemischen Verbindungen. PAK entstehen bei der unvollständigen Verbrennung von Materialien wie Holz, Kohle oder Öl. Teeröle und weitere bestimmte Öle aus der Erdölverarbeitung können als preisgünstige Weichmacher in Gummi- und Kunststoffprodukten beigemischt werden. Der größte Anteil der PAK, die den Verbraucher erreichen, stammen aus diesen Quellen oder über PAK-kontaminierten Ruß als schwarzer Farbstoff in Gummi, Kunststoffen und Lacken im Spielzeug.

Viele PAK treten in variablen Gemischen auf. Bei der chemischen Analyse werden daher häufig einzelne PAK als „Stellvertreter“ bestimmt, da sie besonders gut nachzuweisen sind. Der PAK Stoff „Benzo[a]pyren“, von dem immer wieder in diesem Zusammenhang gesprochen wird, dient dabei als Leitsubstanz, d.h. es wird stellvertretend für alle anderen PAK betrachtet. Ist Benzo[a]pyren in einer Substanz oder einem Produkt enthalten, so gilt das im Allgemeinen auch für alle anderen bedenklichen PAK, die sehr ähnliche Eigenschaften haben. Benzo[a]pyren wurde ausgewählt, weil diese Verbindung zudem besonders stark krebserregend ist.

Neben vielen, vielen anderen Quellen weisen unabhängige Labore immer wieder erhöhte PAK Werte in Artikeln aus weichem Gummi und Kunststoff nach. Dazu gehören etwa Lenkergriffe oder Werkzeuggriffe, Schuhe oder Sportartikel. Wie schon erwähnt sind dafür dem Kunststoff bzw. Gummi zugesetzte Weichmacheröle verantwortlich, die das spröde Kunststoffmaterial wie PVC weich und geschmeidig machen. Solche Weichmacheröle entstehen meist als Neben- oder Abfallprodukte bei der Kohle-und Erdölverarbeitung und sind daher billig zu haben und in der Produktion einzusetzen. Es gibt sehr gute Alternativen, die aber wegen der aufwändigeren Herstellung meist teurer sind. Auch hier gilt einmal mehr – wer es einfach nur billig möchte, muss in Kauf nehmen, schadstoffbelastete Produkte zu bekommen.

Auch was die Benutzung von PAK-haltigem Industrieruß zur Färbung von Kunststoffen betrifft, gibt es gute Alternativen. Aber auch hier zeigt sich – vielfach wird zugunsten günstigerer Preise auf die teurere, giftfreie Variante verzichtet.

Das Umweltbundesamt schreibt in seiner Studie zu PAK: „Leider lassen sich Produkte mit PAK nicht einfach am Aussehen erkennen und auch einen echten Schnelltest auf PAK-belastete Produkte gibt es nicht. Ein Hinweis ist jedoch ein starker, ölartiger Geruch, den man von der Tankstelle kennt. Einige Produkte verströmen diesen Geruch noch lange nach dem Erwerb.“

Nun aber zurück zu den Autoreifen – und dann auch zur traurigen Wahrheit über die Schadstoffe in Kinderspielzeugen. Mit der Europäischen Chemikalienverordnung REACH, die 2007 eingeführt wurde, wurde die Verwendung von PAK-haltigen Weichmacherölen für die Herstellung von Autoreifen beschränkt. Auf weniger als 1 mg pro Kilogramm. Ziel dieser Regelung ist, es die durch Abrieb auf den Straßen verursachte Luftbelastung mit PAK zu reduzieren.

Und nun zum Kinderspielzeug: für die Reifen von Kinderfahrrädern, Kinderrollern oder Kettcars gelten diese Regelungen nicht. Die neue Europäische Spielzeugrichtlinie, deren zweiter Teil am 20.07.2013 in Kraft tritt, enthält zwar eine Regelung für die Begrenzung von PAK in Kinderspielzeug, aber diese ist einfach nur enttäuschend und für uns Eltern niederschmetternd. Für die acht PAK, die als krebserregend eingestuft sind, gelten Konzentrationsgrenzen von 100 mg pro Kilogramm Spielzeug. Bis zu diesen Grenzen dürfen diese PAK in Spielzeug vorkommen. Für Benzo[a]pyren ist der Grenzwert somit hundertmal höher als für Weichmacheröle in Autoreifen.

Nur um sich eine Vorstellung zu machen – das Bundesinstitut für Risikobewertung hat in seiner Stellungnahme zu PAK in Kinderspielzeug folgendes konstatiert: Geht man von dem nach der Spielzeugrichtlinie maximal zulässigen Gehalt an Benzo[a]pyren aus, so kann ein Kind über den Hautkontakt beim Spielen eine Menge davon aufnehmen, die höher liegt als der PAK-Gehalt, den ein Raucher täglich über Zigaretten aufnimmt.

Mich hat die Diskussion um Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe sehr betroffen gemacht. Vor allem aber hat sie mich einmal mehr darin bestärkt, konsequent auf Naturmaterialien zu setzen und Kunststoffe – zumal weiche, nicht geprüfte Kunststoffe – nicht mit ins Echtkind Sortiment zu nehmen.

Einen lieben Gruß und bis bald, Eure Christina.

Für alle, die mehr Informationen zum Thema möchten:

>> Hier findest Du die Studie des Umweltbundesamts zum Thema PAK

>> Hier findest Du die Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung

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2 Antworten zu PAK – Grenzwerte in Kinderspielzeug

  1. Pingback: Aktueller Holzspielzeug-Test / Ein Kommentar | Echtkind – Blog

  2. Nadja schreibt:

    Hallo, ich frage mich in wie weit “kontaminierte“ Sachen gefährdet sind. Sei es der Laufstall oder die Bettwäsche wo evtl. PAK haltige Plüschtiere drauf waren. Auswaschbar ist es ja nicht. Geht es überhaupt über?
    Alles neu kaufen? Achte bei Plüschtieren jetzt auf Bio Qualität, nach dem ich den grottenschlechten Plüschtiertest las. Ätzdend und schlimm seinem Kind nicht sorglos SPIELZEUG und PLÜSCH geben kann.
    Mfg

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